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Sense Organics in Indien - ein Interview mit Praktikantin Julia

Von Andrea Zschocher 3 years ago 2162 Views keine Kommentare

Ich finde es ja immer total spannend die Menschen hinter den Marken kennenzulernen. Ganz besonders dann, wenn sie einen Einblick in die Entstehungsprozesse liefern können. Deswegen bin ich so froh, dass Julia, die zur Zeit ein Praktikum bei Sense Organics macht, Zeit für ein Interview hatte. Sie war nämlich vor Kurzem mit in Indien und hat unter anderem auch die Produktionsbedingungen vor Ort begutachtet. Was sie da erlebt hat und wie sie zu Sense Organics kam verrät sie im Interview 

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India

Liebe Julia, stellst du dich bitte kurz vor?

Mein Name ist Julia, ich bin 24 Jahre alt und studiere BWL mit dem Schwerpunkt Logistik an der Technischen Hochschule. Ich bin seit Oktober bei Sense Organics Praktikantin und finde die Textilbranche  sehr spannend und unglaublich detailreich. Nächstes Jahr will ich mein Master in Berlin oder im Ausland machen und weiter bei Sense Organics arbeiten.

    
Wieso hast du dich für ein Praktikum bei Sense Organics entschieden?

Ich wollte ursprünglich ein Praktikum in der Automobilindustrie machen, habe mich mit damit aber nicht wohl gefühlt, weil es in der der Branche nur um Profit und Standardisierung geht. Als ich erfahren habe welche Sozial- und Umweltstandards Sense Organics hat, wollte ich es dort versuchen. Als ich dann erfuhr, dass ich hier die Möglichkeit habe, das alles aktiv mitzugestalten, habe ich mich beworben. Ein ganz besonderes Erlebnis für mich: Ich durfte mir alles vor Ort in Indien anschauen.

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India


Du warst ja auch mit Gründerin und Geschäftsführerin  Kirsten Weihe-Keidel in Indien – wie war das für dich?

Es war natürlich super spannend, vor allem weil sich die indische Kultur von unserer sehr stark unterscheidet.
Es gab sehr viel zu tun und die Zeit ging super schnell rum.
In erster Linie war ich von Kirstens Energie inspiriert. Da wir sehr viel Zeit zusammen verbracht haben, habe ich auch viel über die Anfänge von Sense Organics erfahren.
Es ist wirklich nicht einfach für Kirsten gewesen die richtigen Partner zu finden, die bereit waren diesen relativ neuen Weg von Bio-Baumwolle in Verbindung mit einer sozialgerechten Verarbeitung dieser zu gehen bzw. den Grundstein dafür zu legen. Die Fabriken und alle Menschen die darin beteiligt sind, sind der Beweis dass es sich gelohnt hat nicht aufzugeben und dass man auch schwierige Aufgaben mit viel Elan lösen kann.

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India

Was hat dich in Indien am meisten beeindruckt?

Einfach nur die Tatsache, vor Ort zu sein. Also den Ort zu sehen wo unsere Kleidung  tatsächlich hergestellt wird. Ich war ja vor Indien schon im Frankfurter Büro tätig und habe entweder die Endergebnisse der Kollektionen oder die Arbeit des Vertriebs gesehen. In Indien an Ideen, Stoffen und am Ende an Mustern beteiligt gewesen zu sein ist natürlich was ganz anderes. Ich fand es super spannend bei der „Geburt“ der neuen Kollektion dabei zu sein.
Als wir einige Wochen später in Deutschland den neuen Katalog bekommen haben, war das ein bisschen wie Weihnachten.

Das Tolle: Ich fliege im April wieder mit. Wir bereiten schon die Frühjahr / Sommer Kollektion 2016 vor, denn man muss immer 2 Saison im Voraus sein.

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India

Hast du alle „Stationen“ eines Kleidungsstückes in Indien vor Ort anschauen können?

Ja fast. In den Fabriken gibt es natürlich sehr viele Stationen die ein Kleidungsstück durchlaufen muss. Vom Färben, Zuschneiden, Nähen bis zum Verpacken. Und zwischen allen (!) Schritten gibt es immer  Kontrollen.
Diese werden per Hand und Licht durchgeführt. Aber am Ende z.B. auch mit Metalldetektoren um sicher zu gehen dass keine Werkzeuge wie Nadeln zufällig mitgehen.

Lustig waren die riesigen Waschmaschinen mit denen zahlreiche Waschtests durchgeführt wurden. Es geht z.B. darum, das Schrinken festzustellen, also zu schauen, wie doll ein Kleidungsstück einläuft.  

Beeindruckend war vor allem die Spinnerei, die ich besucht habe. Riesige Maschinen die die Baumwolle erst mal reinigen und „kämmen“ müssen, bevor daraus Garn gesponnen werden kann. Das Garn wird dann in die ganze Welt verschickt, denn Indien ist einer der Hauptproduzenten von Bio-Baumwolle.

Ich hatte auch die Gelegenheit mit der Spinnerei auf eine Fair Trade Konferenz zu gehen, die ein neues Konzept vorgestellt hat, welches die Kommunikation zwischen Baumwoll-Farmen und Spinnereien erleichtern soll um so der wachsenden Nachfrage nach Fair Trade Kleidungsstücken gerecht zu werden. Im Rahmen dieser Konferenz gab es Filme und Diskussionsrunden mit Baumwollbauern. Das war sehr bewegend und ich habe gemerkt wie wichtig es ist diesen Sektor zu unterstützen.
In Indien begehen 12 Bauern, die nicht nach fair trade Standards entlohnt werden, Suizid, weil sie mit dem vorherrschenden Preiskampf in der Kleidungsindustrie ihren Lebensunterhalt nicht beschreiten können. Kein Wunder wenn man sich die Preise von Primark und Co. anschaut. Wenn man eine Jeans für 4 € kauft muss es einem bewusst sein ,dass Menschen entlang der Produktionskette dafür leiden müssen!


Wenn ich dieses Mal für Sense Organics nach Indien fahre schaue ich mir noch die Windkrafträder an, die Energie für eine der Fabriken bereitstellt, das habe ich das erste Mal nicht geschafft.

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India


Hast du mit Näherinnen gesprochen? Was war dein Eindruck?

Um ehrlich zu sein: nein. Die Inder sind sehr schüchtern und haben nur gekichert  wenn sie uns gesehen haben.  Mein Eindruck allgemein war jedoch ein positiver. Die Näherinnen konnten bei der Arbeit ein bisschen quatschen, was bei dieser eher monotonen Arbeit wichtig ist.

Sense Organics bloggt über faire Kindermode made in India


Die Betriebe, mit denen Sense Organics zusammenarbeitet ,haben sich zu hohen sozialen Standards verpflichtet. Welche sind das und wie hast du es vor Ort erlebt?

Alle Partner müssen z.B SA 8000 zertifiziert sein. Dieser Standard ist im Gegensatz zu nationalen Gesetzen eine internationale Norm, deren Zertifizierung und Befolgung auf freiwilliger Entscheidung der Unternehmen beruht. Es wird sichergestellt, dass z.B Gewerkschaften gebildet werden dürfen, angemessene Arbeitszeiten und Entlohnung stattfindet oder für Arbeitsschutz gesorgt wird.  Ich war zufällig bei einer Überprüfung von SA 8000 dabei und habe mich mit den Prüfern unterhalten.
Die Kontrollen finden alle 6 Monate statt und es werden Fluchtwege, Schutzmaßnahmen überprüft. Darüber hinaus gibt es immer auch die Überprüfung eines zufällig ausgewählten Mitarbeiters in der Fabrik nach seiner Geburtsurkunde. Dies stellt sicher, dass keine Minderjährigen eingestellt werden.

Neben diesem Standard oder dem „Business Social Compliance Initiative“ Ansatz unterstützen unsere Partner vor allem soziale Projekte vor Ort.

Zu den wichtigsten sozialen Projekten gehören die Unterstützung einer Schule , die Kinder, die von Zuhause weggelaufen sind, eine Chance gibt und z.B. die Möglichkeit bietet, eine Schule zu besuchen.

Ein anderes Projekt heißt Women Empowerment . Hier wird sich mit Unabhängigkeit der Frauen beschäftigt. Frauen können ein Handwerk erlernen und sich von ihren Männern unabhängig machen. Es gibt einen Kindergarten, welchen die Kleinsten besuchen können, während ihre Mütter beschäftigt sind .
In der gleichen Fabrik gibt es auch die Möglichkeit zu wohnen, wenn man der Heimatort weiter weg liegt und der Fahrtweg zu weit ist. Außerdem werden viele körperlich behinderte Menschen eingestellt.

Welches ist dein Lieblingsstück aus der aktuellen Kollektion?

Der Summer Playsuit Holly mit dem Zitronendruck