Dabei kostet Fair Trade den Endverbraucher im Gegensatz zu konventioneller Ware kaum mehr als etwa zehn Cent pro Babyartikel, bei Erwachsenenkleidung etwa 30 Cent pro Stück. Ein Baby-Shirt von "so pure" gibt es schon für zehn Euro. Die Fair-Trade-Projekte, die sie unterstützt, baute sie zum Großteil mit auf. Sie hat Mitarbeiter in Indien und in Indonesien und ist selbst mehrmals im Jahr vor Ort. Ihre Baumwolle bezieht sie hauptsächlich vom Projekt Zameen, das Bio-Baumwollbauern in Indien auskömmliche Preise garantiert. Knöpfe aus Ökomaterialien wie Horn, Holz und Fiberglas fertigen Kleinstunternehmer aus Indonesien.

Vom Bühenbild zum Design
Als Weihe-Keidel vor 15 Jahren an den Start ging, hatte sie weder Ahnung von Mode noch von Fair Trade. Ihre Geschäftsidee war aus der Not geboren. Die an der Frankfurter Hochschule für Darstellende Kunst und Musik ausgebildete Schauspielerin konnte ihren Beruf nach der Geburt ihres Sohnes als alleinerziehende Mutter nicht mehr ausüben. "Ich habe schon immer Amnesty International und Greenpeace unterstützt und hatte ein Faible für Bühnenbild und Kostüm, so bin ich auf die Idee gekommen."

Viel Know-how über Mode hat sie sich von Designern und Textiltechnikern eingekauft. Richtig reinbeißen musste sie sich in die Zertifizierungen für Öko- und Fair-Trade-Labels. Schwer enttäuscht war die Grünen-Wählerin von der damals regierenden rot-grünen Regierung in Hessen. Es gab keine staatliche Unterstützung, keine Bank wollte ihr Geld leihen - auch die Öko-Bank nicht - und für den Kindergarten-Platz gab es keinen Zuschuss. "Das war für mich fast wie bei einer Trennung in einer Liebesbeziehung, das hab´ ich bis heute nicht verkraftet". Schließlich fand sie doch Unterstützer. Die "gute, alte Bethmann-Bank" lieh ihr Geld so wie auch einige Freunde. Heute hat sich gezeigt, dass die Investition gut und vorausschauend war.
Besonders im Ausland ist ihre Mode beliebt. In Italien, Spanien und sogar Südkorea hat sie Shop-in-Shops. Einkäufer aus China, Malaysia und Singapur bekunden Interesse. Nur im eigenen Land tut sich die Mode-Pionierin noch schwer, sagt sie: "Keiner der großen Kaufhäuser, ob Karstadt oder Kaufhof, traute sich bisher an das Thema heran. Wohin diese Innovationslosigkeit geführt hat, sieht man ja jetzt."

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